Inhalt:
Erfolgs-DJane Jungle Julia und zwei ihrer Freundinnen wollen an einem feuchtfröhlichen Abend in Austin nur ihren Spaß,
stoßen aber in einer Bar in angeheitertem Zustand auf den sinistren Stuntman Mike, dessen entsprechend hergerichtetes
Auto sich als todbringende Waffe für die Mädchen erweist. Ein paar Monate später liegt Stuntman Mike in Tennessee wieder
auf der Lauer: Er hat es auf ein paar Mädchen einer Filmcrew abgesehen, dabei aber nicht die Rechnung mit der australischen
Stuntfrau Zoe gemacht.
Zum Film:
In den USA lief dieser Film eher mit überschaubarem Erfolg. Der Grund dafür liegt auf der Hand. In Übersee wurde "Death Proof"
in einer gekürzten Version gemeinsam mit "Planet Terror" gezeigt, dem zweiten Film des "Grindhouse"-Projekts (Regie: Robert
Rodriguez), was zusammen drei Stunden Kino bedeutet. Das schreckt ab. In Deutschland laufen die Filme zum Glück in einer längeren
Version und getrennt voneinander. "Planet Terror" startet am 23. August.
Zum anderen wurde an der Zielgruppe vorbeigeworben. Denn: "Death Proof" ist eigentlich ein Frauenfilm. Zumindest für jene
Frauen, die man etwas profan als "cool" bezeichnen würde. Doch Frauen rechnen nicht damit, dass diese Ansammlung von Blut,
Haut und mehr oder minder intelligentem Gerede für sie gedacht sein könnte. Kein Zweifel: "Death Proof" riecht zunächst
nach Männermovie. Aber jedes Mädchen, das sich wünscht, dass das großmäulige Geschlecht mal richtig eins auf die Schnauze
bekommen sollte, ist hier glänzend aufgehoben. Besser jedenfalls als Männer, denen diese dreckig-geniale Erzählung nur
empfohlen werden kann, wenn sie zur Selbstironie in der Lage sind. Frauen sehen hier Frauen, die selbstbewusst sind und
die sich nicht den Mund verbieten lassen (zur Originalfassung sei dringend geraten). Bild und Ton gewordene Gleichberechtigung,
womöglich gar Überlegenheit.
Bis auf kleine charmante Ausnahmen gibt es eigentlich nur einen Mann in dieser Geschichte. Und es geht nur am Rande um ihn.
Im Mittelpunkt stehen acht Mädels. Acht Ärsche also, 16 Titten und ebenso viele Beine. Die werden von Tarantino genussvoll
ins rechte Licht gerückt. Was in diesem Fall vor allem zu Beginn ein schummriges ist. Dort also, in einer Billigkneipe,
sitzen die wunderschöne DJ Jane Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier) und ein paar Freundinnen von ihr (unter anderem Jordan Ladd).
Sie plappern und trinken und plappern. Doch sie tun es in einer Art und Weise, dass Mann geneigt ist, ihnen gerne zuzuhören.
Offen, ehrlich, bisweilen ordinär und vor allem: nicht umständlich oder verklausuliert. Frauen, die einfach sagen, was sie
denken - toll!
Dann also betritt er den Raum. Stuntman Mike. Eine Paraderolle für Kurt Russell. Ein endcooler Leftover aus den 80er-Jahren,
plus Elvis-Frisur. Er verwickelt eine langbeinige Blonde (Rose McGowan) in ein Gespräch, bietet ihr an, sie nach Hause zu
bringen, interessiert sich aber keineswegs für ihre körperlichen Vorzüge. Sein Ziel: Er will sie auf den Beifahrerplatz in
seinem Muscle Car platzieren. Das ist death proofed. Bedeutet: Bei einem Unfall überlebt der Fahrer garantiert. Aber nur
der Fahrer.
Zeitsprung. Monate später. Die nächsten Mädels (unter anderem Rosario Dawson und Zoe Bell). Die lassen sich aber nicht so
leicht über den Jordan schicken. Sie beginnen sich zu wehren und machen Jagd auf den Stuntman, der sich diesmal womöglich
übernommen hat.
Man sollte es kurz machen: Die Handlung ist vollkommen egal. Es geht ums Jagen und ums Gejagtwerden. Es geht um kollidierende
Autos und kopulierende Mädchen. Zweifellos aber auch um eine besondere Bildsprache, die eben als Hommage an die Grindhouse-Filme
gedacht ist. So gibt es denn auch reihenweise Störungen, da werden alle Aufnahmen plötzlich mal schwarz-weiß. Artefakte an allen
Ecken und Enden. Keine Frage, dass sich diese Form der Inszenierung gewaltig brechen wird mit der Ausstattung moderner.
Der Film, dessen deutscher Titel im Vorfeld mehrfach geändert wurde und der jetzt denkbar umständlich "Quentin Tarantinos Death
Proof - Todsicher" heißt, versteht sich als schlichtestes Entertainment, als Trash im besten Sinne. Doch wie geschickt Tarantino
hier zu Werke ging, zeigt sich vor allem an den ungemein fantasievollen Dialogen der Mädchen, die den größten Teil der Laufzeit
füllen, aber merkwürdigerweise niemals langweilig werden. Das steht dann in einem geradezu genialen Kontrast zum wortkargen
Auftreten des mörderischen Stuntmans, dessen Motiv übrigens bis zum Ende völlig im Dunkeln bleibt. Weil es tatsächlich auch
völlig egal ist.
Es gibt zwei Filme mit Kurt Russell in der Hauptrolle, die sich selbst nicht ganz ernst nehmen. "Flucht aus L.A." ist der eine -
keineswegs eine Fortsetzung, sondern eine ironisierende Persiflage auf die "Klapperschlange", jenen Kult-Actioner der frühen
80-er, der Maßstäbe setzte. Und der zweite ist eben dieser hier. In beiden Filmen schenkt der Regisseur dem Hauptdarsteller
ein paar Sekunden für die Ewigkeit. Da darf er, in einem Moment der metakommunikativen Genugtuung, direkt in die Kamera blicken
und zu lächeln beginnen. Dieses Lächeln weist den Weg und ist die Erklärung, wie mit "Death Proof" umzugehen ist.
Sicher, manche (wahrscheinlich die meisten) werden aus dem Kino kommen und die vergangenen 113 Minuten als Zeitverschwendung
verfluchen. Entschuldigung - dass dies hier weder finnischer Experimentalfilm noch französisches Beziehungsdrama ist, war doch
klar! Doch wer das Lächeln zu verstehen vermag, der wird noch lange an diesen Film zurückdenken. Weil er so viel Spaß gemacht
hat wie nur ganz wenige in den letzten Jahren. Nicht nur wegen der Titten und Ärsche. Aber schon auch ein bisschen deswegen ... -
Kai-Oliver Derks, Cineastreff
Hintergrundinformationen:
Entstehung
Die Idee zu Grindhouse kam Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, als Tarantino seinem langjährigen Freund in seinem Haus
mehrere Double Features zeigte. Im Jahr 2003 bemerkte Rodriguez, dass er ebenfalls im Besitz des gleichen Filmplakats,
wie Tarantino eines hat, sei. Das Plakat bewarb die Filme Dragstrip Girl und Rock All Night aus dem Jahr 1957. Darauf fragte
Rodriguez: „Ich wollte immer schon ein Double-Feature drehen. Hey, warum führst du nicht bei einem Regie und ich mache das
andere?“ Darauf Tarantino: „Und wir müssen es Grindhouse nennen.“
Entwicklung
Der Name des Double-Features ist auf die alten amerikanischen Lichtspielhäuser zurückzuführen, welche Filme des Exploitation-
Genres spielten, darunter Kung Fu-, Horror-, Giallo- und Redneckfilme sowie Italowestern und Filme des Blaxploitation-,
Sexploitation und Car-Chase-Genres – „All diese lachhaften Genres, wie sie in den 1970er erschienen sind.“ Laut Rodriguez
waren bei diesen Produktionen die Plakate oft besser als der Film.
Tarantino begann die Entwicklung seines Films aufgrund seiner Faszination dafür, wie Kaskadeure ihre Autos todsicher
(death proof) machen. Sie könnten mit knapp 100 km/h in eine Mauer fahren und doch keinen Schaden erleiden. Diese Tatsache
inspirierte Tarantino, einen Slasher-Film zu drehen, in dem ein Stuntman jungen Frauen auflauert, um sie später in seinem
todsicheren Wagen zu verfolgen und sie zu töten. »Mir wurde klar, dass ich keinen reinen Slasher-Film machen konnte, da mit
Ausnahme der Frauengefängnisfilme kein anderes Genre so unflexibel ist, und wenn du dich daran nicht hältst, machst du es
eigentlich nicht wirklich richtig. Das ist untypisch, also begriff ich: „Lass mich die Struktur eines Slasher-Films verwenden
und daraus einfach machen, was ich eben tue. Meine Darstellung ist im Arsch („fucked up“) und zerschlagen, aber dem Anschein
nach wird die Struktur eines Slasher-Films verwendet.“«
Tarantino sah es zwar als eine gute Erfahrung an, den Film „bis auf die Knochen zu schneiden und trotzdem keinen Handlungsstrang
zu vernachlässigen“, dennoch sieht er es als sein eigenes Werk und befürwortet die Einzelveröffentlichung in Europa, denn Death
Proof ist das, wofür er ein Script geschrieben hat und was er als seinen Film ansieht. Das spiegelt sich auch in der
Arbeitsverteilung wider: das einzige, was Rodriguez zu Death Proof beigesteuert hat, ist der Titel.
Der Film ist komplett ohne CGI-Effekte entstanden. Als Grund gibt Tarantino an, dass es für ihn keinen Sinn ergebe,
Verfolgungsjagden am Computer zu erstellen und er nicht verstehe, wie so etwas vermeintlich überzeugen sollte. Weiter
behauptete er, dass es mit Ausnahme von Terminator 2 – Tag der Abrechnung und Final Destination 2 aus seiner Sicht keine
gute Verfolgungsjagd mehr gegeben habe – seit er 1992 begann, Filme zu machen.
Casting
Die sich selbst spielende Zoë Bell war bereits als Stuntfrau für Uma Thurman in Kill Bill tätig und arbeitete so bereits zum
zweiten Mal mit Tarantino. Michael Parks spielt, wie auch schon in From Dusk Till Dawn, Kill Bill und Planet Terror, den Texas
Ranger Earl McGraw. Sein Sohn James Jean Parks spielt auch seinen fiktiven Nachfahren Edgar McGraw. Tarantino selbst spielt den
Barkeeper Warren. Eli Roth, der Macher des Thanksgiving-Fake-Trailers hat einen Cameo-Auftritt als Dov.
Tarantino versuchte Kal Penn und Sylvester Stallone für eine Rolle im Film zu ergattern, beide waren jedoch wegen anderer
Projekte unabkömmlich. Zu Beginn war Mickey Rourke für die Hauptrolle vorgesehen. Rosario Dawson sowie auch Mickey Rourke
spielten auch schon in Rodriguez' Sin City mit.
Tracie Thoms, welche den Charakter Kim verkörpert, bekam die Rolle zugesprochen, da sie die beste Freundin von Rosario
Dawson ist. Tarantino über Tracie Thoms: „Sie ist der weibliche Samuel L. Jackson. Sie trug den Dialog vor, als wären es
ihre eigenen Worte.“
Mary Elizabeth Winstead wird von Tarantino als perfekt für die Rolle der Lee gesehen: „Ich könnte mir keine andere für die
Rolle vorstellen. Sie ließ den Charakter zum Leben erwecken. Sie machte mir die Arbeit sehr viel einfacher.“ Jordan Ladd
wurde von Eli Roth für die Rolle vorgeschlagen. Sydney Tamiia Poitier war schon für die Rolle der Vernita Green in Kill
Bill im Gespräch, bekam diese jedoch nicht. Für die Jungle Julia Lucai sei sie jedoch „perfekt“.
Wikipedia
